Trüber Urin – was diese Veränderung des Urins bedeuten kann

    Trüber Urin

    Trüber Urin ist nicht per se ein Krankheitszeichen, doch verschiedene Erkrankungen können zu einer Harntrübung führen. Hier sollte also immer genau hingeschaut werden: Wird der Urin des Menschen, um den Sie sich kümmern, nur gelegentlich oder nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel trüb, brauchen Sie erst einmal nichts weiter zu unternehmen. Beobachten Sie die Veränderung jedoch über einen längeren Zeitraum und/oder kommen weitere Symptome wie häufiger Harndrang, Inkontinenz, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch oder Fieber hinzu, sollten Sie dies umgehend ärztlich untersuchen lassen. Nach einer Harnstatusbestimmung kann der Arzt oder die Ärztin in vielen Fällen bereits eine Diagnose stellen oder gezielt weitere Untersuchungen in die Wege leiten.

    Es kommt vor, dass der Urin trübe erscheint. Die Ursachen dafür sind vielfältig und meistens völlig harmlos. In der Regel verursachen kleine Schwebeteilchen, etwa aus Salzen, Zellresten oder Schleim, die Trübung. In einigen Fällen ist aber eine eingehende ärztliche Untersuchung erforderlich. Insbesondere wenn der Menschen, den Sie pflegen, eine Neigung zu Harnwegsinfekten hat, ist trüber Urin häufig ein Warnsignal.

    Wie kommt es zu einer Trübung des Urins?

    Für gewöhnlich ist frischer Urin klar und transparent bis gelb gefärbt. Das Farbspektrum von gesundem Urin ist sehr breit. Je nach Tageszeit und je nachdem, wie viel getrunken wurde, können Beschaffenheit und Färbung variieren. Zum Beispiel ist der erste Morgenurin meist konzentriert und sehr dunkel, im Verlauf des Tages nimmt er dann eine transparente bis satt gelbe Farbe an. Auch die Ernährung kann eine Ursache für eine Farbveränderung des Urins sein. So können zum Beispiel rote Rüben oder Rhabarber zu einer rötlichen Färbung führen, die leicht mit Blut im Urin zu verwechseln ist.

    Doch eine Verfärbung ist keine Trübung. Zu reinen Farbveränderungen kommt es durch kleinste, im Urin gelöste Teilchen (Moleküle und Ionen). Der Harn bleibt dabei aber klar und durchsichtig. Bei trübem Urin sind größere Teilchen die Ursache für die Veränderung. Sie lösen sich nicht auf, sondern verbleiben als Schwebeteilchen in der Flüssigkeit. Die Folge: Der Urin wird trübe und undurchsichtig. Außerdem muss man zwischen trübem Harn und Schaum im Urin unterscheiden. Letzteres kann ebenfalls ein Symptom für eine Erkrankung sein und sollte deshalb auch im Auge behalten werden, ist aber ein anderes Symptom als trüber Urin.

    Trüber Harn allein ist noch kein Symptom für eine Krankheit. In vielen Fällen – insbesondere bei Frauen – handelt es sich lediglich um Beimischungen von Vaginalsekret oder ausgefallenen Salzen, die in den meisten Fällen harmlos sind. Doch die Trübung kann auch von Bakterien, Pilzen, Eiter, Blut oder Lipiden im Urin hervorgerufen werden. Dem können schwerwiegende Erkrankungen zugrunde liegen, die dringend einer ärztlichen Abklärung bedürfen.

    Trüber Urin und die möglichen Ursachen

    Was kann zu einer Trübung des Urins führen und wann sind weitergehende Untersuchungen angeraten? Auch wenn trüber Urin an sich keine Krankheit ist, empfiehlt sich im Zweifelsfall immer eine ärztliche Abklärung der Ursachen. Sprechen Sie die betroffene Person also behutsam darauf an und entscheiden Sie dann gemeinsam einen Termin zur Abklärung zu vereinbaren. Die Untersuchung kann folgende Ergebnisse bringen:

    • Ausgefallene Salze: Meist handelt es sich dabei um Urate (Salze der Harnsäure), die beim Abkühlen des Urins ausfallen und ihn dadurch trüben. Urat-trüber Harn hat eine gelbliche Farbe. Phosphate können bei erhöhtem pH-Wert ausfallen. Das kann zum Beispiel nach dem Verzehr von reichlich Obst und Gemüse passieren, aber auch Anzeichen für einen Harnwegsinfekt sein. Phosphate verursachen eine weißliche Trübung.
    • Blut im Urin: Sowohl rote als auch weiße Blutkörperchen können den Urin trüben. Bei einer sogenannten Hämaturie finden sich vermehrt rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Harn. Sie können auf verschiedene Erkrankungen der Nieren, des Harntraktes sowie der Prostata hindeuten, aber auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente (v. a. Gerinnungshemmer) auftreten. Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) finden sich meist in Kombination mit Bakterien und deuten dann auf einen Harnwegsinfekt hin. Leukozyten ohne begleitende Bakterien kommen bei verschiedenen Nieren- und Harnwegserkrankungen vor, sie können aber auch Symptom einer Tuberkulose sein.
    • Bakterien und Pilze: Bei Harnwegsinfekten sind vermehrt Bakterien im Urin nachweisbar, die zu einer Trübung führen. Bei Pilzbefall (Vaginalmykose) finden sich häufig auch weiße Flocken im Urin.
    • Eiter: Wird Eiter nachgewiesen, liegt in der Regel bereits ein schwerer Harnwegsinfekt mit deutlicher Entzündung des Harntrakts vor.
    • Schleim: Trüber Urin durch Beimischung von Vaginalsekret oder Schleim aus der Schleimhaut der Harnwege ist vor allem bei Frauen häufig und deutet nicht auf eine Krankheit hin.
    • Fette: Eine starke Trübung des Urins durch Lipide oder Lipoproteine kann ein Anzeichen für schwere Nierenschäden sein. Findet sich fettreiche Lymphflüssigkeit (Chylus) im Urin, kann das auf eine Schädigung des Lymphsystems aufgrund von Tumoren oder einen Befall mit tropischen Parasiten (Filariose) hindeuten. Ganz harmlos kann die Trübung aber auch sein, wenn sich Reste einer fetthaltigen Creme im Urin befinden.

    Die Ursachen für trüben Urin können also sehr vielfältig sein und auf verschiedene leichte, aber auch schwere Erkrankungen hindeuten – oder völlig ohne Krankheitszusammenhang auftreten. In vielen Fällen kann eben nur die Abklärung bei einem Arzt oder einer Ärztin Klarheit für Sie und die betreute Person schaffen. Vor allem, wenn weitere Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen oder im Unterbauch, häufiger Harndrang und Inkontinenz hinzukommen oder die Trübung über mehrere Tage zu beobachten ist, sollte eine Harnstatusuntersuchung durchgeführt werden.

    Untersuchungen zur Abklärung der Trübung

    Der Harnstatus ist eine häufige Untersuchung, die bei Verdacht auf verschiedene Krankheiten sowie beim Routine Check-up gemacht wird. Hierbei wird zunächst der physikalische Status analysiert. Er umfasst das Harnvolumen sowie das spezifische Gewicht, die Farbe, die Trübung und den Geruch des Urins. Zeitgleich oder nachfolgend wird mithilfe eines Teststreifens der chemische Status festgestellt. Untersucht wird dabei der Gehalt an Glukose, Ketonen, Blut (aufgeschlüsselt in rote und weiße Blutkörperchen sowie Hämoglobin), Eiweiß, Nitrit und Bilirubin sowie der pH-Wert. Bei Verdacht auf eine Infektion folgt eine mikroskopische Untersuchung des Harnsediments.

    Die Untersuchung des Harnsediments

    Die Analyse des Urins ist also eine häufige Standarduntersuchung, die erste Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Patienten bzw. der Patientin zulässt. Bei trübem Urin ist die Analyse des Harnsediments vor allem dann sinnvoll, wenn ein Teststreifen bei Erythrozyten, Leukozyten, Hämoglobin und Nitrit reagiert.

    Um das Harnsediment zu gewinnen, wird der Urin im Reagenzglas zentrifugiert. Dabei setzen sich die festen Stoffe – das Sediment – am Boden des Glases ab. Der flüssige Überstand wird entsorgt und das Harnsediment für die mikroskopische Untersuchung auf einen Objektträger aufgebracht. Die Untersuchung zeigt, ob sich folgende Bestandteile im Urinsediment befinden:

    • Zellen oder Zellreste von Erythrozyten, Leukozyten oder Epithelzellen (Gewebe)
    • Kristalle wie Harnsäure- oder Oxalsäurekristalle
    • zylindrische Gebilde, die aus den Nierenkanälen stammen
    • Bakterien oder Pilze
    • Kleinstlebewesen wie Trichomonaden

    Je nach Befund lassen sich nun bestimmte Erkrankungen nachweisen oder ausschließen. Befinden sich etwa Bakterien oder Pilze im Sediment, kann von einem Harnwegsinfekt ausgegangen werden; auch der Nachweis von Trichomonaden führt zu einer eindeutigen Diagnose. In diesen Fällen kann unmittelbar eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

    Werden Harnsäurekristalle nachgewiesen, kann das ein Indiz für Gicht beziehungsweise Arthritis sein. Oxalsäurekristalle deuten auf Nieren- oder Harnsteine hin. Zylindrische Gebilde aus den Nierenkanälen deuten auf eine schwere Nierenerkrankung hin. Blutbestandteile im Urin können wiederum für verschiedene leichtere und schwerere Erkrankungen stehen. Gegebenenfalls wird der Arzt bzw. die Ärztin weitere Untersuchungen vornehmen, damit eine Diagnose gestellt werden kann.

    Bei Verdacht auf eine tumoröse Erkrankung kann eine weitere Untersuchung des Harnsediments, die Harnzytologie, durchgeführt werden. Hierbei werden dem Sediment spezielle Farbstoffe zugefügt, die die betroffenen Zellen einfärben und dadurch sichtbar machen.

    Quellen:
     
    https://www.med4you.at/laborbefunde/lbef3/lbef_harntruebung.htm
    https://www.med4you.at/laborbefunde/lbef3/lbef_blut_im_harn.htm
    https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/niere-harn/harnwerte
    https://medlexi.de/Tr%C3%BCber_Urin_(Harntr%C3%BCbung)
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/173022/Arthritis-urica-Nachweis-von-Harnsaeurekristallen
    https://www.med-hh.de/46-63-574-Harns%C3%A4ure-und-Gicht.html
    https://www.praxisvita.de/was-bedeutet-trueber-urin-17065.html
    https://www.apotheken-umschau.de/diagnose/harnanalytik
    https://www.netdoktor.at/krankheit/blasenentzuendung-7847

    Mehr Infos

    In der Pflege ist Urin oft ein Thema, und das nicht nur, weil er auf eventuelle Trübungen geprüft wird. Wenn der Mensch, den sie betreuen, auf Harninkontinenzprodukte angewiesen ist, kennen Sie vielleicht die Suche nach den passenden Hilfsmitteln. Sollte das so sein, werden Sie als profesionelle Fachkraft beim TENA Produktberater auf jeden Fall fündig. Als pflegender Angehöriger haben wir Ihnen in diesem Artikel alle Informationen zusammengestellt: Finden Sie das richtige Produkt für Ihr Familienmitglied